Vorneweg

Nimm Dir ein paar Minuten Zeit, setzt Dich bequem, zünde eine Kerze an. Leg, wenn Du magst, Deine Bibel bereit, falls Du den Bibeltext nicht in digitaler Form lesen willst.

Vielleicht bist Du es nicht gewohnt, Dich zu bekreuzigen, und magst es für Dich bei der Eröffnung der Andacht und beim Segen versuchen. Mir hilft das Bekreuzigen, weil für mich spürbarer wird, dass ich mit Christus mit Seele, Geist und Leib verbunden bin.

Für diese Andacht habe ich Lieder vom „Monatslied“-Projekt der Nordkirche zum Anhören und gerne auch Mitsingen ausgewählt.

 

Andacht zu Genesis 8,22

Eröffnung

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Einladung zum Gebet

Gott des Himmels und der Erde!
Die ersten Sonnenstrahlen, sie kribbeln auf meinen noch kalten Wangen.
Den Moment einfangen, die Wärme spüren, das Kommende erwarten, das Morgenlicht in mir strahlen lassen.
Gott, ich will, dass es weiter leuchtet. In mir. Heller als jedes Licht.
Aber ich schaffe es nicht immer. Da sind andere Lichter, die bunter scheinen. Da wird es von der Dunkelheit verschluckt.
Gott, erinnere mich. Erinnere mich an die ersten Sonnenstrahlen. Erinnere mich, das Morgenlicht in mir leuchten zu lassen als Zeichen Deiner Gegenwart. Erinnere mich an dich. Du mein Gott, mein Licht, mein Heil.
Amen
 
 
Lied zum Anhören: Morgenlicht

Blick geht nach vorne und alles scheint möglich, / ein neuer Anfang und wir brechen auf.
Das, was uns belastet, und das, was wir lieben, lassen wir los und vertrauen darauf:
Die Sonne geht auf. Die Sonne geht unter. Das Morgenlicht leuchtet weiter in uns.
Bis ans Ende aller Tage, bis ans Ende dieser Welt.
 

 

 

Biblische Lesung: Genesis 8,22

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

 

Impuls:

Die Lieder zum Anhören, die ich heute ausgesucht habe, strotzen vor Lebenslust und Lebensfreude, vor Energie, wie wir sie uns tagtäglich wünschen und als Kraft von Gott erhoffen.

Ostern, der Frühling, der Sommer, diese Zeiten des Erwachens, des Wachsens, des Blühens und Grünens, diese Zeiten des Aufbruchs und der Lebensenergie und des Fruchtbringens … sind heuer ganz anders.

Über den Haufen geworfene Reise-Pläne, gefährdete Existenzen, erstickte Lebensfreude, Zukunftsängste, Ohnmacht. Diese Liste ließe sich gefühlt endlos fortsetzen. In der Zeitung war, quasi zusammenfassend, zu lesen: Corona zeigt uns, wie verletzlich wir sind.

Das stimmt, denke ich mir, und zugleich regt sich biblischer Widerspruch. Im 90. Psalm heißt es, fast schon lapidar: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Die Corona-Pandemie erinnert uns in unserer, mit technischen Tricks jedweder Couleur ach so gefügig gemachten Welt nicht allein an unsere Verletzlichkeit, sondern vor allem daran, dass wir ungeheuer vergesslich sind (und über Corona fast schon wieder vergessen, dass das Hintergrundrauschen der Klimakrise nicht überhört werden darf). Denn dass unser und alles Leben, so wie wir es kennen, vergeht und heute schon vergehen kann, das steht uns jeden Tag vor Augen. Immer schon. Auch ohne Corona. Solange die Erde besteht … solange. Unser Aufenthalt auf diesem Planeten und dieser Planet haben kein Ticket für die Ewigkeit.

Wir sind vergesslich, das ist wohl wahr.

Nun meinte einer meiner theologischen Lehrer einmal: Wenn wir ständig in dem wachen Bewusstsein leben würden, dass wir sterblich sind, würden wir es vermutlich nicht ertragen. Unsere Seele ist so eingerichtet, dass sie es uns mit jenem Wissen und trotz jenes Wissens um die eigene und die globale Endlichkeit aushalten und leben lässt.

Gott sei Dank ist das so. Ich denke nicht jede Sekunde daran, dass der Rest meines Lebens erschreckend kurz sein könnte. Und: Ich muss auch nicht jede Sekunde daran denken, etwa um dadurch zu zeigen, dass ich mich selbst und das ungezählte Leid unter der Sonne wirklich ernst nehme. Es darf und es muss gerade angesichts des Todes viele schöne Zeichen von Leben und Lebenslust geben (natürlich immer so, dass es menschliches und geschöpfliches Leid zu keiner Zeit verlacht!!).

Das ist für mich eine Form, Gott die Ehre zu geben. Denn alles Leben, das von Gott kommt, ist immer ein Zeichen gegen den Tod, immer ein Ausdruck dafür, dass sich Leben trotz kosmischer Lebensfeindlichkeit mit Gottes Hilfe durchzusetzen vermag.

Also: nicht jede Sekunde an den Tod denken. Aber auch: meine Verletzlichkeit nicht verdrängen oder gar verleugnen, sondern sie vielmehr als konstruktive Kraft in mein Leben einbauen.

Im Blick auf mich meint das: Meine Einmaligkeit, die Einmaligkeit meiner Lebenszeit, ist „Seelenquell“ (welch schönes, altes Wort!!) meines Dankes. Ich bin kein Stein. Kein kaltes Staubkorn irgendwo im All, sondern im Leben, im Fühlen, im Schmecken, im Empfinden, im Genießen, im Lieben. Mein Herz singt ein fröhliches, zartes Protestlied gegen den Tod und seine Gesellen. Es ist kein überhebliches Lied, weil es um sein Ende weiß. Aber es ist fröhlich, weil es sich in die Schönheit des Lebens hüllt und sich in allem in Gott geborgen glaubt.

Im Blick auf meine Mitmenschen meint das: Ich vergesse nicht, dass Du verletzlich bist wie ich auch. An Leib und Seele verletzlich. Und ich vergesse nicht, dass Dir darum aller Respekt gebührt, dass Du wie ich Zuwendung brauchst und Mitfühlen und Solidarität und immer wieder Liebe. Auf diesem Wege können Momente, die nach Tod und Abschied schmecken, immer auch den Geschmack des Lebens tragen … in aller geschöpflichen Vorläufigkeit.

In dieser Hinsicht eine gute Balance zu finden, ist gewiss nicht immer leicht; auch die Kraft meines Glaubens ist Teil meines Geschöpfseins und damit endlich. Und dennoch ist in aller meiner Endlichkeit sehr trotzig Christus mein einziger Trost geblieben. Er verbindet mein menschliches Sein mit der schöpferischen Kraft Gottes, mit der Kraft, die aus dem Nichts ins Leben ruft, die sich am Leben und am Lebendigsein freut und alles, was ins Nichts stürzt, bei sich im Leben hält.

Amen.

 

Lied zum Anhören: Das Leben will raus

 
Es gibt so Tage, an denen niemand drinnen bleibt, / die Sonne früh schon hoch steht und nach draußen treibt.
Fenster auf, Nase voll, überall Sommerduft, alle Sinne hellwach: Da liegt was in der Luft.
Der Sommer macht zuletzt sogar den Regen warm und zeigt im Norden seinen ganz besondren Charme.
Fahr ans Meer, spür den Wind! Gott macht es grandios. Strandsand bleibt überall. Der Sommer lässt nicht los.
Ich atme tief ein und sing es hinaus: Gott liebt das Leben und das Leben will raus. Oooh, oooh.
Wer kann geht barfuß, schwimmt und schwingt sich auf das Rad, vergisst die Uhrzeit über einem großen Tag.
Holz auf Holz, Feuer an, die Abendsonne rot. Komm, reich mir deinen Wein und koste unser Brot.
Ich atme tief ein und sing es hinaus: Gott liebt das Leben und das Leben will raus. Oooh, oooh.
Gott macht es grandios. Spür den Wind! Leinen los!
 

 

Einladung zum Gebet

Stille und Zeit für eigene Worte, die ins Gebet finden wollen

Gott, wenn ich mich in Deiner Schöpfung erlebe, wenn ich tief einatme, spüre ich etwas von Dir. Nicht an jedem Tag, aber in vielen Momenten des Lebens bist du mir ganz nah. Und in den Zeiten, wo mein Glaube wirkt, wo Du mich tröstest und stärkst. Wenn ich ins Leben gehe in diesen Tagen, beschütze mich und segne mich. Mich und Deine ganze Welt. Darum bitte ich jeden Tag neu.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
 

Segen

Gott segne Dich und behütet Dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden. Amen.

 

Lied zum Anhören: Ewig und drei Tage

Ich öffne dir das Fenster, mache dann die Türen auf. Wir gehn ein Stück spazieren. Du schickst den Tod nach Haus.
Dort draußen tauchst du alles in ein warmes, helles Licht. Wir wollen mehr davon. Wir wollen mehr davon.
Du gibst uns mehr davon und nichts muss bleiben wie es ist.
Ewig und drei Tage ist es her, dass ich dich sah. Ewig und drei Tage habe ich nach dir gefragt.
Ewig und drei Tage kam die Welt nicht mehr vom Fleck. Drei Tage warst du weg. Aber jetzt bist du da.
Wir gehen durch die Straßen. Lange gehn wir nicht allein. Und alle, die grad schliefen, reihn in den Zug sich ein.
Du zauberst uns die Hoffnung und das Morgen ins Gesicht.
Wir wollen mehr davon. Wir wollen mehr davon.
Du gibst uns mehr davon und nichts muss bleiben wie es ist.
Ewig und drei Tage ist es her, dass ich dich sah. Ewig und drei Tage habe ich nach dir gefragt. Ewig und drei Tage kam die Welt nicht mehr vom Fleck. Drei Tage warst du weg. Aber jetzt bist du da.
Wir sind jetzt richtig viele, malen Häuserwände an. Für alle diese Botschaft: Steh auf, mach mit, fang an.Teil Leben aus, verschenk dich. Bleibe nicht für dich allein.
Ewig und drei Tage ist es her, dass ich dich sah. Ewig und drei Tage habe ich nach dir gefragt. Ewig und drei Tage ist es her, dass ich dich sah. Ewig und drei Tage habe ich nach dir gefragt. Ewig und drei Tage kam die Welt nicht mehr vom Fleck. Drei Tage warst du weg. Aber jetzt bist du da.